Länderberichte Religionsfreiheit
-
LB 50 Religionsfreiheit: Sri LankaAm Ostersonntag 2019 zerstörten in Sri Lanka weitgehend unbekannte Täter mit gezielten Bombenanschlägen drei christliche Kirchen während der gut besuchten Festgottesdienste und zeitgleich drei voll besetzte Luxushotels für europäische Touristen. 259 Tote und etwa 500 Verletzte erinnerten die Einheimischen schlagartig an ihre schon fast verdrängten Existenzängste aus den Zeiten des im Jahr 2009 beendeten 26-jährigen Bürgerkriegs mit mehr als 100.000 Toten.
Bis heute gibt es weder endgültige Klarheit über die Täter und ihre Motive noch wirksame Gegenmaßnahmen, um die Wiederholungen oder Nachahmungen solcher Attentate zu verhindern. Stellungnahmen der Regierung und der Sicherheitskräfte vor Ort weisen darauf hin, dass die Angriffe von lokalen Islamisten gezielt auf christliche beziehungsweise westlich orientierte Einrichtungen ausgeführt wurden. Das bereits hohe soziale und politische Unruhepotential des Inselstaats ist erneut bedrohlich aufgeheizt worden.
Die Ereignisse von 2019 werfen die schon nach früheren Angriffen dieser Art erhobene Frage nach dem Verhältnis der Religionsgemeinschaften zueinander auf. Die sri-lankische Verfassung garantiert Religionsfreiheit für alle, schreibt aber zugleich die besondere Stellung des Buddhismus im Land fest. Einerseits bestehen zahlreiche Dialoginitiativen, und Angehörige der verschiedenen Religionsgemeinschaften setzen sich für ein friedliches Miteinander ein. Andererseits gibt es immer wieder Ausschreitungen gegenüber religiösen Minderheiten, nicht zuletzt vonseiten radikaler Buddhisten initiiert, deren Ziel die Verteidigung der singhalesisch-buddhistischen Identität des Inselstaats ist.
Dieses Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 51 Religionsfreiheit: TadschikistanTadschikistan gilt als einer der repressivsten Staaten der Welt. Im März 2020 wurden in dem zentralasiatischen Land Parlamentswahlen abgehalten. Die OSZE kritisierte in ihrem Abschlussbericht nicht nur zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei dieser Wahl, sondern auch die stark eingeschränkte Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie den fehlenden politischen Pluralismus im Land. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2020 wurde schließlich der Amtsinhaber Emomali Rahmon mit über 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt; ernstzunehmende Gegenkandidaten waren nicht zugelassen. Der autoritär herrschende Staatschef ist bereits seit mehr als 26 Jahren an der Macht.
Zu den besonders gefährdeten Menschenrechten im Land gehört die Religionsfreiheit. Die Verfassung der Republik Tadschikistan hält zwar fest, dass jeder Mensch das Recht hat, zu einer eigenen religiösen Überzeugung zu gelangen und diese allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bezeugen. Bis heute wird die religiöse Praxis der Bürgerinnen und Bürger jedoch äußerst restriktiv gehandhabt. Die Behörden verbieten religiöse Symbole, schließen Gebetsstätten, behindern die religiöse Bildung und erlassen Auflagen für religiöse Feiern. Verbote, Bärte zu tragen oder sich zu verschleiern, betreffen insbesondere die schätzungsweise 90 Prozent Musliminnen und Muslime im Land.
Ein wesentlicher Faktor, der zu Einschränkungen der Religionsfreiheit führt, ist der Umgang mit der angeblichen islamistischen Bedrohung. Einerseits ist unbestreitbar, dass es in Tadschikistan extremistische Einflüsse gibt. Regelmäßig berichten Medien über Gewalttaten im Land, die mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ in Verbindung gebracht werden. Expertinnen und Experten weisen jedoch darauf hin, dass der Staat unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung brutal gegen oppositionelle Gruppen und Einzelpersonen vorgeht.
Wie lange das Regime es schafft, unter Verweis auf die „Sicherheit“ das eigene autoritäre Vorgehen zu legitimieren, ist fraglich. Das arme und wirtschaftlich labile zentralasiatische Land steht vor einer schwierigen Zukunft. Ein Großteil des Staatshaushalts basiert auf den Rücküberweisungen hunderttausender tadschikischer Gastarbeiter in Russland.
Dieses Heft steht hier zum Download bereit.
Weiter Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 52 Religionsfreiheit: IndonesienIndonesien ist mit seinen mehr als 17.000 Inseln der größte Inselstaat der Welt. Die südostasiatische Nation ist darüber hinaus das Land mit der weltweit größten Anzahl an Muslimen. Mehr als 86 Prozent der knapp 270 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Archipels sind muslimischen Glaubens. Lange Zeit galt Indonesien als Vorzeigeland mit Blick auf das Zusammenleben von Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften. Seit einigen Jahren gewinnen jedoch islamistische Strömungen an Einfluss.
Zum zurückliegenden Jahreswechsel wurde die Gefahr durch den religiösen Extremismus in besonderer Weisesichtbar: Sowohl der indonesische Staat als auch zivilgesellschaftliche Organisationen im Land ergriffen während des Weihnachts- und Neujahrsfestes besondere Sicherheitsmaßnahmen, um die Besucherinnen und Besucher christlicher Kirchen zu schützen. Denn in den vergangenen Jahren wurden christliche Gotteshäuser wiederholt zum Ziel islamistisch motivierter Anschläge. Zugleich zeigte sich in diesen Tagen eine besondere interreligiöse Solidarität: In einigen Regionen unterstützte eine große Anzahl muslimischer Jugendlicher zum wiederholten Male die örtlichen Sicherheitskräfte bei der Bewachung christlicher Gotteshäuser.
Wird die Lage der Religionsfreiheit in Indonesien untersucht, so spielen nicht nur islamistische Anschläge eine Rolle. Auch die Blasphemiegesetzgebung im Land sorgt immer wieder international für Aufsehen. Insbesondere den Fall „Ahok“ werten Beobachter als Beleg für den zunehmenden Einfluss eines radikalen Islam in Indonesien. Als erster Christ hatte Basuki Tjahaja Purnama, bekannt als Ahok, das Amt des Gouverneurs von Jakarta bekleidet. Im Mai 2017 verurteilte ein Gericht ihn wegen angeblicher Beleidigung des Koran zu zwei Jahren Haft.
Das Heft steht hier zum Download bereit.
Weiter Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 54 Religionsfreiheit: NigerDie humanitäre Lage im Sahel spitzt sich zu. Im Oktober 2020 hatte die internationale Gemeinschaft auf einer Geberkonferenz über die Situation in der Region beraten und Hilfen in Milliardenhöhe zugesagt. Schon damals schätzten Expertinnen und Experten die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen auf bis zu 16 Millionen. Unterschiedliche Faktoren tragen dazu bei, dass die Krise sich weiter verschärft: Armut und Ressourcenknappheit sind nicht zuletzt auf die verheerenden Folgen des Klimawandels zurückzuführen.
Auch die Sicherheitslage in der Sahelregion hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert. In diesem Jahr erreichen uns wieder erschreckende Nachrichten über Gewalttaten islamistischer Gruppierungen. In Niger sind insbesondere die Grenzgebiete zu Burkina Faso, Mali und Nigeria betroffen. Schon zu Beginn des Jahres 2021 wurden bei einem Angriff auf zwei Dörfer an der Grenze zu Mali etwa 100 Menschen getötet, und auch in den Folgemonaten fanden tödliche Attacken statt. Insbesondere Nigers Nachbarländer Mali und Nigeria sind Rückzugsorte für islamistische Gruppierungen, die im Sahel Terroranschläge verüben, um einen radikalen Islam durchzusetzen. Die verschiedenen islamistischen Einflüsse haben nicht nur die Praxis des Islam in dem westafrikanischen Binnenstaat verändert, sondern bedrohen auch die historisch gewachsenen Beziehungen, die zwischen Christen und Muslimen bestehen. Als Minderheit in einem Land, in dem über 95 Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind, ist die katholische Kirche auch weiterhin auf den Dialog mit der muslimischen Bevölkerung bedacht. So engagiert sie sich zum Beispiel über die Grenzen religiöser Zugehörigkeiten hinweg in der Schulbildung und der Flüchtlingsarbeit.
Theoretisch können in Niger Christinnen und Christen sowie Angehörige anderer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ihren Glauben und ihre Überzeugungen frei leben. Der Staat garantiert allen Bürgerinnen und Bürgern Religionsfreiheit. In der Praxis stoßen diese Zusagen jedoch nicht nur durch die islamistische Gewalt an ihre Grenzen, sondern auch durch staatliches Handeln.
Das Heft steht Ihnen hier als Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 55 Religionsfreiheit: RusslandDie Russische Föderation ist ein überaus vielfältiges Land – historisch, kulturell, geografisch, und auch im Hinblick auf die Religionen. Das Ende der Sowjetunion vor 30 Jahren beendete auch die atheistische religionsfeindliche Politik, die über Jahrzehnte Gläubige und Religionsgemeinschaften in den Untergrund gedrängt hatte. Es begann eine religiöse Wiedergeburt, die die historisch gewachsene religiöse Vielfalt zurück in die Öffentlichkeit brachte. Religion wurde in allen früheren Sowjetrepubliken zu einem wichtigen Element nationaler Identität und bot den Menschen nach dem Ende der kommunistischen Ideologie neue Orientierung.
Ende der 1990er Jahre griff der Staat wieder verstärkt in religiöse Angelegenheiten ein. Es kam zu Konflikten zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und anderen christlichen Kirchen um Einflussbereiche und Missionsmethoden. Diese Konkurrenz wurde oft durch die finanzielle Stärke ausländischer Kirchen verschärft. Der russische Staat brauchte gleichzeitig glaubwürdige Partner in einer Zeit großer wirtschaftlicher, sozialer und politischer Konflikte – und fand einen solchen Partner in der Russischen Orthodoxen Kirche, die als Inbegriff einer traditionsreichen und verbindenden russischen Identität galt. Das Konzept der „traditionellen Religionsgemeinschaften“ sorgte für eine neue Ordnung in der religiösen Vielfalt, es öffnete jedoch auch einer staatlichen Benachteiligung kleinerer und „nichttraditioneller“ Religionen sowie religionskritischer Stimmen das Tor.
Seit dem Beginn der 2010er Jahre beobachten wir in Russland eine wachsende Einschränkung individueller und zivilgesellschaftlicher Freiheiten, und die Religionsgemeinschaften sind von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Während von den staatlichen Verletzungen vor allem kleine Gemeinschaften mit Strukturen im oder Finanzierung aus dem Ausland betroffen sind, leiden unter den staatlich geduldeten gesellschaftlichen Angriffen auch Mitglieder der großen Religionsgemeinschaften wie der Russischen Orthodoxen Kirche oder des Islam. Ein wichtiges Motiv hinter vielen der Einschränkungen ist es auch, Kritik an den aktuellen politischen und sozialen Verhältnissen zu unterbinden und eine möglichst homogene und loyale Gesellschaft zu konstruieren.
Um Religion als ureigene Sphäre eines freien Gewissens zu schützen, müssen Einschränkungen der Religionsfreiheit aufmerksam beobachtet und offen angesprochen werden. Zu diesem Diskurs möchten missio und Renovabis mit dem vorliegenden Länderbericht beitragen.
Dieses Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 56 Religionfreiheit: AlgerienIm Februar 2019 entstand in Algerien eine Protestbewegung, die nach dem arabischen Wort für „Bewegung“ Hirak genannt wird. Ausgelöst worden war der Protest durch die Ankündigung des Langzeitpräsidenten Abdelaziz Bouteflika, eine fünfte Amtszeit anzustreben. Seitdem – und auch über den erzwungenen Rücktritt Bouteflikas hinaus – fordert die Bewegung einen radikalen Bruch mit der bisherigen Politik und ein entschiedenes Eintreten gegen Klientelismus und Korruption.
Doch weder die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2019 noch die neue Verfassung von November 2020 oder aber die Parlamentswahlen im Juni 2021 sprechen für einen solchen Neubeginn: Neuer Präsident wurde Abdelmajid Tebboune, der bereits Minister und Premierminister unter Bouteflika war. Die neue Verfassung wurde zwar in einem Referendum angenommen, die Wahlbeteiligung lag aber nach einem Aufruf zum Wahlboykott durch die Protestbewegung bei nicht einmal einem Viertel der wahlberechtigten Bevölkerung. Die Verfassungsreform selbst wird als völlig unzureichend eingeschätzt. Aus den Parlamentswahlen ging einmal mehr die seit der Unabhängigkeit regierende FLN-Partei als Siegerin hervor – ebenfalls bei einer sehr schwachen Wahlbeteiligung.
Die neue algerische Verfassung, die im Januar 2021 in Kraft trat, ist auch mit Blick auf das Thema Religionsfreiheit als ein deutlicher Rückschritt zu bezeichnen. So wurden etwa der Schutz der Gewissensfreiheit sowie weitere Bezüge zur religiösen Freiheit gestrichen. Auch in der Praxis kommt es in dem nordafrikanischen Land immer wieder zu Verletzungen der Religionsfreiheit. Betroffen sind neben Christinnen und Christen auch Angehörige anderer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.
Dieser Länderbericht von missio beschreibt detailliert die aktuelle Lage der Religionsfreiheit im Land. Bei allen Schwierigkeiten wird auch deutlich, dass sich die algerische Gesellschaft und die Religionsgemeinschaften vor Ort für ein friedliches Zusammenleben in Freiheit einsetzen.
Dieses Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 57 Religionsfreiheit: VietnamIm April 1975 wurde der sogenannte zweite Vietnamkrieg mit dem Sieg der kommunistischen Befreiungsarmee über die Armee der Republik Südvietnam und die verbündeten USA beendet. Nach Gründung der „Sozialistischen Republik Vietnam“ im Jahr 1976 reduzierte die Regierung das religiöse Leben im Land auf ein Mindestmaß. Die katholische Kirche musste ihre Priesterseminare schließen und verlor zahlreiche schulische und karitative Einrichtungen. Es gab fortan keine diplomatischen Beziehungen des Landes mehr zum Vatikan.
Erst im Jahr 2008 erhielt die katholische Kirche die Genehmigung, die Caritas Vietnam wieder zu errichten. Im selben Jahr wurde eine Arbeitsgruppe des Heiligen Stuhls und der Sozialistischen Republik Vietnam gegründet. Nach dem neunten Treff en dieser Arbeitsgruppe im Jahr 2022 besteht nun Hoff nung auf eine baldige Eröff nung einer ständigen vatikanischen Vertretung in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi und auf die Entsendung eines vietnamesischen Vertreters in den Vatikan.
Nicht nur das Verhältnis zwischen dem vietnamesischen Staat und der katholischen Kirche entspannt sich zusehends, auch andere Religionsgemeinschaft en im Land gewinnen mehr Handlungsspielraum. Diese Entwicklungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Religionsfreiheit vor Ort nach wie vor erheblich eingeschränkt ist. Gerade religiöse Gruppierungen, die nicht offi ziell anerkannt sind, müssen mit Verhaft ungen und Schikanen rechnen. Entscheidend für eine mögliche Registrierung ist vor allem, wie sich die Religionsgemeinschaft en zu politischen Themen äußern. Nicht nur die katholische Kirche, sondern auch andere Religionsgemeinschaft en hatten nach 1975 zahlreiche Besitztümer wie Schulen, Krankenhäuser, Infrastrukturen der Ordensgemeinschaft en und Gotteshäuser verloren. In manchen Fällen war der Staat bereit, Ersatzgrundstückeanzubieten, die jedoch oft nicht gleichwertig waren. Religionsgemeinschaft en in Vietnam haben auch heute noch Schwierigkeiten, ausreichende Flächen für Gemeinde- und Gotteshäuser zu finden. Zudem ist es ihnen nach wie vor nicht gestattet, in eigener Trägerschaft im Schul- und Gesundheitswesen aktiv zu werden. Trotz aller Widrigkeiten ist es dem Salesianerorden gelungen, die staatlichen Behörden davon zu überzeugen, fünf große Berufsschulen in verschiedenen Provinzen des Landes zu führen. Diese Entwicklungen geben Grund zur Hoffnung.
Der vorliegende Länderbericht analysiert die Lage der Religionsfreiheit in Vietnam vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ausführlich. missio ist es dabei ein besonderes Anliegen, neben den spezifi schen Herausforderungen für die katholische Kirche auch die Situation von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften zu bedenken.
Das Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 58 Religionsfreiheit: UsbekistanIm April 1975 wurde der sogenannte zweite Vietnamkrieg mit dem Sieg der kommunistischen Befreiungsarmee über die Armee der Republik Südvietnam und die verbündeten USA beendet. Nach Gründung der „Sozialistischen Republik Vietnam“ im Jahr 1976 reduzierte die Regierung das religiöse Leben im Land auf ein Mindestmaß. Die katholische Kirche musste ihre Priesterseminare schließen und verlor zahlreiche schulische und karitative Einrichtungen. Es gab fortan keine diplomatischen Beziehungen des Landes mehr zum Vatikan.
Erst im Jahr 2008 erhielt die katholische Kirche die Genehmigung, die Caritas Vietnam wieder zu errichten. Im selben Jahr wurde eine Arbeitsgruppe des Heiligen Stuhls und der Sozialistischen Republik Vietnam gegründet. Nach dem neunten Treff en dieser Arbeitsgruppe im Jahr 2022 besteht nun Hoff nung auf eine baldige Eröff nung einer ständigen vatikanischen Vertretung in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi und auf die Entsendung eines vietnamesischen Vertreters in den Vatikan.
Nicht nur das Verhältnis zwischen dem vietnamesischen Staat und der katholischen Kirche entspannt sich zusehends, auch andere Religionsgemeinschaft en im Land gewinnen mehr Handlungsspielraum. Diese Entwicklungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Religionsfreiheit vor Ort nach wie vor erheblich eingeschränkt ist. Gerade religiöse Gruppierungen, die nicht offi ziell anerkannt sind, müssen mit Verhaft ungen und Schikanen rechnen. Entscheidend für eine mögliche Registrierung ist vor allem, wie sich die Religionsgemeinschaft en zu politischen Themen äußern. Nicht nur die katholische Kirche, sondern auch andere Religionsgemeinschaft en hatten nach 1975 zahlreiche Besitztümer wie Schulen, Krankenhäuser, Infrastrukturen der Ordensgemeinschaft en und Gotteshäuser verloren. In manchen Fällen war der Staat bereit, Ersatzgrundstückeanzubieten, die jedoch oft nicht gleichwertig waren. Religionsgemeinschaft en in Vietnam haben auch heute noch Schwierigkeiten, ausreichende Flächen für Gemeinde- und Gotteshäuser zu finden. Zudem ist es ihnen nach wie vor nicht gestattet, in eigener Trägerschaft im Schul- und Gesundheitswesen aktiv zu werden. Trotz aller Widrigkeiten ist es dem Salesianerorden gelungen, die staatlichen Behörden davon zu überzeugen, fünf große Berufsschulen in verschiedenen Provinzen des Landes zu führen. Diese Entwicklungen geben Grund zur Hoffnung.
Der vorliegende Länderbericht analysiert die Lage der Religionsfreiheit in Vietnam vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ausführlich. missio ist es dabei ein besonderes Anliegen, neben den spezifi schen Herausforderungen für die katholische Kirche auch die Situation von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften zu bedenken.
Das Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 59 Religionsfreiheit: UkraineDer russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zu massiven Verwerfungen, großem menschlichen Leid und erheblichen Zerstörungen im Land geführt. Ein Drittel der ukrainischen Bevölkerung befindet sich nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissariats derzeit auf der Flucht. Zehntausende Tote sind zu beklagen. Es gibt schier endlose Berichte über Massentötungen, sexuelle Gewalt, Folterkammern, Kindesentführungen und Zwangsdeportationen in den besetzten Gebieten. Die Zahl der Kriegsverbrechen und der durch Krieg und Gewalt traumatisierten Menschen in der Ukraine nimmt von Tag zu Tag zu. Angesichts der anhaltenden militärischen Bedrohungslage steht das gesamte Land bis auf Weiteres unter Kriegsrecht.
Ist es angesichts dieser rechtlich schwierigen und äußerst instabilen Situation im Land aktuell überhaupt sinnvoll, einen Länderbericht zur Situation der Religionsfreiheit in der Ukraine herauszugeben? Wir haben uns entschieden, einen solchen Bericht zu veröffentlichen, da Russland das Thema Religionsfreiheit in der Ukraine gezielt für Kriegspropaganda benutzt. Zuvor bestehende Probleme wie die Konkurrenz zwischen den orthodoxen Kirchen wurden durch den Krieg massiv verschärft. In Deutschland gibt es sowohl im politischen als auch im kirchlichen Umfeld hierzu einen großen Informationsbedarf. Auch in unseren Medien werden immer häufiger Fragen zur aktuellen Situation der Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch zur Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Ukraine gestellt.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt der Umgang der ukrainischen Regierung mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), die seit 2022 versucht, sich immer mehr von der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) zu lösen. Die ukrainische Gesellschaft verdächtigt sie allerdings wegen ihrer unklaren rechtlichen Zugehörigkeit zum Moskauer Patriarchat, weiterhin mit der ROK zu kollaborieren und wirft ihr vor, sich nicht wirklich vom russischen Aggressor zu distanzieren. Die Regierung verstärkt daher seit einiger Zeit den Druck auf die UOK: So hat sie ihr die Nutzung des traditionsreichen Kiewer Höhlenklosters entzogen, sogar ein Verbot der UOK ist im Gespräch. In der russischen Kriegspropaganda spielt dieser politische Druck eine wichtige Rolle beim Versuch, den eigenen Angriffskrieg zu legitimieren.
Ziel des Länderberichts ist es, einen umfassenden Einblick in die Situation der Religionsfreiheit in der Ukraine zu geben und dabei sowohl auf die Zeit vor Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 einzugehen als auch jüngste Entwicklungen darzustellen. Dabei geht es uns auch darum, Vorwürfe der russischen Propaganda kritisch zu durchleuchten und insbesondere auf die Situation der Religionen in den von Russland besetzten Gebieten im Osten der Ukraine einzugehen. missio und Renovabis möchten mit dem vorliegenden Länderbericht zu einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion beitragen.
Das Heft steht hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 60 Religionsfreiheit: Burkina FasoBurkina Faso, im Herzen Westafrikas gelegen, hat eine turbulente politische Geschichte, die durch neun Staatsstreiche seit der formalen Unabhängigkeit im Jahr 1960 geprägt ist. Die Religionsfreiheit sowie der soziale Frieden innerhalb des Landes sind durch die unsichere politische Situation und den Terrorismus bedroht.
Die Terroranschläge seit 2015 haben zu schweren Menschenrechtsverletzungen geführt und viele Todesopfer gefordert. Mittlerweile gibt es mehr als zwei Millionen Binnenvertriebene. Die Aktivitäten der terroristischen Gruppen, die mit Mord, Verschleppungen und Einschränkungen der Freiheitsrechte einhergehen, betreffen zwar vielfach auch Christinnen und Christen, richten sich aber nicht gegen eine bestimmte Religionsgemeinschaft im Land. Sie zielen vielmehr auf die Zerstörung des friedvollen Miteinanders der verschiedenen religiösen Gruppierungen ab.
Burkina Faso hat eine lange Tradition religiöser Vielfalt. Neben dem Islam, der die Mehrheitsreligion stellt, sind das katholische und evangelische Christentum sowie die dortige traditionelle afrikanische Religion im Land vertreten. Letztere besitzt bislang noch keine rechtliche Anerkennung, wird aber als wichtiger Faktor für den Erhalt des Friedens und des sozialen Zusammenhalts angesehen.
Ein friedliches Miteinander der verschiedenen Religionsgemeinschaften ist für die burkinische Bevölkerung ein hoher Wert, der weiterhin geschützt werden soll. In der Verfassung Burkina Fasos ist festgeschrieben, dass sich das Land als laizistischer Staat versteht. Allerdings findet dieses Selbstverständnis kaum Niederschlag in konkreten Gesetzen. Radikale Gruppierungen agieren vermeintlich im Namen der islamischen Religion. Sie versuchen, die Menschen über Propaganda zu mobilisieren, was zu großen Spannungen führt. Dennoch bemüht sich der Staat – gemeinsam mit den Dachverbänden der im Land vertretenen Religionsgemeinschaften – um die Förderung des interreligiösen Dialogs, um weitere Gewalteskalationen zu verhindern.
Die Ursachen des Terrorismus im Land sind komplex. Unwissenheit, Armut und radikale religiöse Diskurse haben einen weitreichenden Einfluss. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen Protest an den sozialen Umständen üben und dies in öffentlichen Reden und Predigten kundtun. Das kann ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung und beginnenden Terrorismus sein.
Der vorliegende Bericht stellt die Lage der Religionsfreiheit im Land dar, indem er die Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften untereinander sowie die Rolle der Regierung kritisch analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf Aspekten, die den Religionsgemeinschaften soziopolitischen Einfluss verleihen. Wir werden in den kommenden Monaten in unserer Kampagnen- und Informationsarbeit die Situation in Burkina Faso weiter in den Fokus rücken und freuen uns über Ihr Interesse und Engagement.
Das Heft steht Ihnen hier zum Download bereit.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 61 Religionsfreiheit BahrainDer vorliegende Länderbericht Religionsfreiheit wirft einen Blick hinter die Außendarstellung Bahrains und geht der Frage nach, wie es mit der Religionsfreiheit in dem kleinen Inselstaat wirklich bestellt ist.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 € -
LB 62 Religionsfreiheit SenegalDer vorliegende Länderbericht beleuchtet die Hintergründe des harmonischen Miteinanders in Senegal und geht gleichzeitig der Frage nach, wie es angesichts der aktuellen Herausforderungen bewahrt werden kann.
Weitere Länderberichte zum Downloaden finden Sie hier.
0,00 €